GÜNTER STEINLE  –  PRIVAT

 

Günter Steinle: „Nur eine sorgenfreie Gesellschaft kann sich frei entfalten.“

Interview zu den privaten Aufzeichnungen als Ausblick auf eine geplante Buchveröffentlichung

(Biografie Günter Steinle)

Das Interview

 

Wohltätigkeitsveranstaltungen und Fundraising sind mittlerweile gang und gäbe. Sie haben ihre Fondation bereits vor 40 Jahren ins Leben gerufen. Aus welchem Antrieb heraus?

 

Steinle: Es war mir immer ein Bedürfnis im Erfolgsfall neben dem operativen Geschäft meinen Neigungen nachzugehen, zu fördern und zu helfen und für mich Interessantes auf den Weg zu bringen.

 

Gutes zu tun und darüber zu reden, ist an sich nicht verwerflich, sofern tatsächlich Bedürftige vom Ergebnis profitieren. Sie dagegen haben Ihre Aktionen nie an die große Glocke gehängt.

 

Steinle: Weil es allein um die Sache geht und nicht um persönliche oder geschäftliche Befindlichkeiten.

 

Welche Projekte würden Sie als Ihre wichtigsten bezeichnen, welches davon lag Ihnen besonders am Herzen?

 

Steinle: Wichtig waren bestimmt alle Kunstaktionen, die anschließend Furore machten, etwa mit Dan Graham und Frank Stella oder den „Tendenzen 82“, als erstmals alle wichtigen wilden Maler ausgestellt wurden. Aber am Herzen lagen mir die Förderung junger begabter Talente und alle sozial orientierten Unterstützungen.

 

Nicht alle ihre wohltätigen Aktivitäten waren auch von Wohlwollen begleitet. Unter anderem haben Sie sich maßgeblich für den Erhalt, respektive den Ausbau der Gedenkstätte Oberer Kuhberg eingesetzt. Dennoch hat ihr Engagement Irritationen ausgelöst hat, nicht zuletzt bei Ihnen.

 

Steinle: Bei spektakulären, erfolgreichen Aktivitäten in Bereichen, die eigentlich nicht zu unserem Kern-Beritt gehören, reagieren manche sogenannte Kompetenzträger und Platzhirsche, beziehungsweise Platzhirschkühe, äußerst aufgeregt. Sie verdrängen gern die Realität und versuchen den eingetretenen Erfolg für sich zu vereinnahmen. Das bin ich gewöhnt, darüber rege ich mich nicht sonderlich auf. Ärgern tut mich allerdings, wenn Fakten nicht gewürdigt werden.

 

Wer Klartext redet, polarisiert bisweilen und macht sich nicht allerorten Freunde. Ist das ein Schuh, der Ihnen passt, oder fühlen Sie sich missverstanden?

 

Steinle: Es geht nicht um Klartext reden, sondern um das Erkennen zukünftiger Strömungen, Erahnen drohender Probleme, um dann deutlich darauf aufmerksam zu machen - zumeist fünf Jahre im Voraus. Was von Dritten erst heftig attackiert wird, um dann wie selbstverständlich übernommen zu werden. Um die Dinge deutlich zu machen, damit rechtzeitig reagiert werden kann, bedarf es einer aggressiven Dynamik, eines forschen, frechen Auftretens und Einsetzens für die Sache. Das wird häufig als angeberisch, arrogant und großmäulig ausgelegt.

 

 

 

 

Wo sehen Sie die größten Defizite im Gemeinwesen und wie sähe die ideale Gesellschaft aus Ihrer Sicht aus?

 

Steinle: Das große Defizit ist die soziale Ungerechtigkeit und der weitverbreitete Egoismus in unserer Gesellschaft. Dazu die extreme Verschwendung öffentlicher Gelder und natürlich die Überregulierung durch Verwaltungsorgane. Das Schlimmste in unserer Gesellschaft ist der Existenz-Stress. Nur eine von Sorgen und Ängsten befreite Gesellschaft kann sich frei entwickeln und alle ihre Fähigkeiten entfalten. Es gibt ein hohes Potenzial an versteckten Möglichkeiten. Doch wie soll ein Mensch, der ums Überleben kämpfen muss und keine Nacht mehr ruhig schlafen kann, Höchstleistungen erbringen? Es ist beschämend, wie verantwortungslos in einem der reichsten Länder der Welt mit den Schwächsten umgegangen wird. Dabei könnte jedem bei einem fairen und angemessenen Mitteleinsatz eine menschenwürdige Grundversorgung ermöglicht werden. Den ganz im Gegenteil zur landläufigen Meinung löst eine gesicherte Existenz bei den Menschen keine Faulheit aus, sondern beflügelt sie, ihre Begabungen voll zu entwickeln und ungeahnte Fähigkeiten einzusetzen.

 

Wie geht es mit der Fondation weiter? Gibt es bereits neue Projekte, was würden Sie gerne anpacken?

 

Steinle: Die „Günter-Steinle-Fondation“ wird weiterhin mit den Geldern der ausgehandelten Skonti in den Bauverträgen mit den Handwerkern den Sport, die Kunst und Sozialprojekte unterstützen und fördern. Aktuell begleiten wir junge Musikerinnen der  Neuen Philharmonie München und in diesem Zusammenhang auch die Stiftung „Gesellschaft macht Schule“ sowie die Jugendarbeit der American Footballer der Neu-Ulm „Spartans“. Darüber hinaus sind weitere CD- und DVD-Produktionen vorgesehen.

 

Herr Steinle, ich bedanke mich für das Gespräch.

 

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